Klangmassage zur Begleitung vor und nach chrirurgischen Eingriffen

Von Dr. med. Herbert Seitz

Einzelne Beispiele zur gezielten Nachbehandlung verschiedener Operationen mit der Peter Hess- Klangmassage

Orthopädische bzw. unfallchirurgische Operationen

Nach Einbringen von Gelenksimplantaten wie Hüft-/Knieendoprothesen oder Verplattungen an Röhrenknochen:


Das Implantat stellt immer einen Fremdkörper dar. Die Erstbehandlung sollte, daher nicht direkt über dem Implantat beginnen. Jedes Implantat erzeugt in der Anfangsphase eine mehr oder minder große, nicht Infekt bedingte Entzündungsreaktion, verbunden mit Schwellung und Überhitzung des Gewebes. Zusätzlich können beim Einsetzen des Implantates auch entzündungsverursachende Bakterien eingebracht werden. Durch Stärkung der Immunlage kann die körpereigene Abwehr gegen die Bakterien unterstützt werden. In der Peter Hess-Klangmassage stehen mehrere Techniken zur Verfügung, hier gezielt Einfluss zu nehmen und dadurch den Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten zu vermindern.

Eine postoperative, manuelle Lymphdrainage wird durch Vorbereitung mit Klangmassage wesentlich effektiver, da die Schwingungen der Klangschalen die Mobilisation und den Abtransport von Gewebsflüssigkeit über das Lymphsystem anregen. Durch Klangmassage gehen postoperative Schwellungszustände und die damit einhergehenden Spannungsschmerzen, die eine Frühmobilisation verzögern, schneller zurück.

Der in der Klangmassage versierte Physiotherapeut kann seine Arbeit durch gezielten Einsatz der Klangschalen wesentlich effektiver gestalten und schnellere Erfolge erzielen. So berichten bspw. Patienten nach einer Knie- Operation, dass sich die Schwingung einer Klangschale, die im Liegen oder Sitzen in der Nähe ihrer Fußsohlen und Zehenspitzen angeklungen wird, im nicht-operierten Gliedmaß deutlich schneller in Richtung Becken ausbreiten. Hingegen spüren sie, dass die Klangschwingung am operierten Bein nicht weiter als bis kurz vor dem Operationsgebiet zu spüren ist. Das Implantat »blockiert« anfänglich den Schwingungsfluss, der von der Klangschale erzeugt wird. Vielfache Erfahrungen haben gezeigt, dass bei Fortsetzen der Klangmassage das Implantat schwingungsmäßig integriert wird, d.h., dass auch im operierten Bein, die Schwingungen sich zunehmend zum Becken hin ausbreiten.

Dies geschieht auch, wenn man in der zweiten Behandlungsphase eine Klangschale in der Beckenregion antönt und sich die Klänge in Richtung Fußsohle ausbreiten. Anfänglich ist die Zentrierung in der Körperlängsachse durch das Implantat gestört, die Sicherheit beim Gehen kann erst erfolgen, wenn diese Zentrierung in der Körperachse wieder hergestellt ist, der Patient sozusagen sicher »geerdet« ist. Wie bereits ausgeführt, ist hier das sichere Stehen die Voraussetzung für eine sichere und erfolgreiche Gehmobilisation.

Einsatz der Klangmassage nach Wirbelsäulenoperationen

Eine gut funktionierende, gesunde sogenannte »Wirbelsäule« ist an und für sich keine Wirbel-SÄULE, sondern eine Wirbel-KETTE, die in den Zwischenwirbelgelenken und Bandscheiben natürlich beweglich ist. Die Bewegung und Statik der Wirbelsäule wird durch das Gleichgewicht der zugeordneten Muskulatur gewährleistet. Die Strukturen der Wirbelsäule werden tagsüber mehr oder weniger belastet. Die Wirbelgelenke und Zwischenwirbelscheiben haben nur während einer entspannten Schlaf- oder Ruhephase die Möglichkeit sich zu regenerieren. Während der Peter Hess-Klangmassage tritt diese regenerierende Entspannungs- und Ruhephase ein. Die Qualität der Schlaf- bzw. Ruhephase ist nach einer Klangmassage deutlich erhöht und dadurch wird die Regeneration der Bandscheiben und Zwischenwirbelgelenke gebessert. Voraussetzung dafür ist eine weitgehende Entspannung der Wirbelsäulenmuskulatur, denn erst dadurch wird der Druck auf die Bandscheiben und Zwischenwirbelgelenke während des Schlafes im Liegen gemindert. Ein erholsamer, ruhiger Schlaf wird erst ermöglicht, wenn die Gehirnwellenfrequenz in den so genannten Bereich des Schlafrhythmus abgesenkt wird. Die entspannende Wirkung der tagsüber durchgeführten Klangmassage begünstigt bzw. bahnt diese Veränderung der Gehirnwellenfrequenz in der Einschlaf- und Tiefschlafphase.

Bei anhaltender Verspannung der auf die Wirbelsäule einwirkenden Muskulatur werden der physiologische Regenerationsprozess der Bandscheiben und der Bereich zwischen den Wirbelgelenken längerfristig gestört. Es kommt dadurch zu vorzeitigen Verschleißerscheinungen an den Zwischenwirbelgelenken und an den Bandscheiben, die sich primär meist zwischen zwei Wirbeln als sogenannter Bandscheibenvorfall, Gleitwirbel oder Arthrose an den Zwischenwirbelgelenken manifestieren. Dort ist dann der natürliche, rhythmisch-schwingende Bewegungsablauf in der Wirbelkette unterbrochen. Dadurch kommt es zu einem weiteren, zusätzlichen Verschleiß an den Bandscheiben und den Zwischenwirbelgelenken. Beim Bandscheibenvorfall kann es durch Druck auf die Rückenmarksnerven, in seltenen Fällen auch auf das Rückenmark selbst, zu Nervenschädigungen kommen, die ein akutes operatives Eingreifen notwendig machen, um einen dauerhaften Nervenschaden zu verhindern.

Postoperativ ist eine Wiederherstellung des Muskelgleichgewichtes an der Wirbelsäule notwendig, um ein Fortschreiten der Erkrankung der Wirbelsäule zu vermeiden bzw. bei rezidivierenden Bandscheibenvorfällen zu verhindern. Die physiotherapeutischen Maßnahmen können durch Einsatz der Peter Hess-Klangmassage sinnvoll unterstützt werden. Dies geschieht anfänglich allein durch allgemeine Entspannung ohne direkte Behandlung der Wirbelsäule bzw. des Operationsgebietes. In der Entspannungsphase wird das Erlangen eines natürlichen Gleichgewichtes der die Wirbelkette stützenden und haltenden Skelettmuskulatur gefördert.

Oft bestehen nach Bandscheibenoperationen Nervenschädigungen, die sich in Restlähmungen bzw. Sensibilitätsstörungen äußern. Ein möglichst frühzeitiger Beginn der Behandlung abseits des Operationsfeldes an der Wirbelsäule ist zu empfehlen. In dieser Phase sollte die Klangschale nicht direkt auf das Operationsgebiet aufgelegt werden. Die Behandlung kann aber in der Nähe des Operationsgebietes am Körper direkt beginnen oder im energetischen Körperumfeld.

Die frühzeitig eingesetzte, gezielte Klangmassage bewirkt das schnellere Abschwellen der reaktiv entzündlichen Nervenwurzeln. Zusätzlich wird die Nervenleitfähigkeit durch Aktivierung der Nervenhüllzellen gebessert. Es wird außerdem die Funktion der Synapsen-Zellen (Nervenschaltstellen) stimuliert. Dadurch kommt es zur schnelleren Besserung der Sensibilitätsstörungen und der Motorik.

Einsatz der Klangmassage bei arteriellen Gefäßerkrankungen an den Beinen und dadurch bedingten Gefäßoperationen

Grundlage einer jeglichen, nicht-medikamentösen Behandlung ist die effektive und regelmäßige Durchführung eines so genannten Gehtrainings. Dadurch wird die Muskulatur besser durchblutet und sogenannte Kolateralgefäße können aktiviert und eröffnet werden. Das Öffnen und Schließen der kleinen Gefäße geschieht zusätzlich durch ein Gleichgewicht in der glatten Gefäßmuskulatur (Synergisten/Antagonisten). Dieser Regulationsmechanismus der unwillkürlichen Körpermuskulatur kann durch psychischseelisches Ungleichgewicht gestört sein. Die Entspannung, die durch eine Klangmassage bewirkt wird, kann in diesen gestörten Regelkreis regulierend eingreifen.

Auch wenn noch kein Gehtraining möglich ist, kann durch die Klangschwingungen einer tiefen, niederfrequenten Klangschale die arterielle Gefäßregulation in dem Sinne beeinflusst werden, dass spastisch bedingte Verengungen der kleinen Arterien deutlich gemindert werden und dadurch die Durchblutung messbar verbessert wird.

Eine mögliche Vorgehensweise ist hierbei das klassische Auflegen der Klangschalen auf die Fußsohlen. Falls dies nicht möglich ist, kann im Sitzen oder im Liegen die Klangschale zwischen die Füße bzw. vor die Fußsohlen gestellt werden.

Die Klangschwingungen durchdringen beide Beine, die Beckenregion und die Wirbelsäule und treffen die lokalen und übergeordneten Reflexzentren bis zum Hirnstamm hinauf. Die Patienten beschreiben ihr Erleben dabei oft als aufsteigendes Wärmegefühl und Nachlassen der durch die Minderdurchblutung verursachten Schmerzen. Zusätzlich können die Klangschalen auch über die vegetativen Regulationszentren in der Umgebung des unteren Rückenmarks direkt auf die Wirbelsäule gestellt werden. Neben der vermehrten arteriellen Durchblutung kommt es auch zur Anregung des Lymphflusses und dadurch zum erhöhten Abtransport der Schlackestoffe aus der Gewebsflüssigkeit der minder durchbluteten Muskulatur.

In manchen Fällen ist eine schulmedizinische bzw. alternative Behandlung der Durchblutungsstörungen in den Beinen nicht ausreichend. Es wird die Indikation zu einem im Gefäß selbst durchgeführten Eingriff, z.B. mittels einem endoluminalen Laser, Aufdehnung, Stent, gestellt und durchgeführt. Falls dies nicht möglich ist, ist ein operativer Eingriff am Gefäß mit Überbrückung der verengten Stelle durch eine körpereigene Vene (z.B. Bypass) oder durch eine Gefäßprothese notwendig. Postoperativ gelten die oben beschriebenen Anwendungen mittels Klangmassage zur besseren Wundheilung.

Zusätzlich müssen vorher nicht durchblutete Gefäßareale eröffnet werden. Dies wird erleichtert, wenn der bestehende Gefäßspasmus durch Klangmassage gelockert wird. Durch die arterielle Durchblutungsstörung vor der Operation ist der Patient oft weitgehend im Gehen behindert bzw. bettlägerig. Für die postoperative Mobilisation gelten die oben angeführten Methoden der Klangmassage.

Klangmassage nach operativer Entfernung von bösartigen Tumoren

Gerade bei der Diagnose »Krebs« gelten Stressoren als Ursache einer zusätzlichen Schwächung des Patienten. Der Erfolg einer geplanten Operation hängt unter anderem auch davon ab, in welchem Allgemeinzustand der Patient in die Operation geht. Daher kann die Klangmassage präoperativ eine besonders wertvolle Unterstützung sein. Die Klangschale darf dabei auf keinen Fall direkt auf den bösartigen Tumor bzw. dessen unmittelbare Umgebung aufgestellt werden. Bedenken, dass man durch Auflegen der Klangschale auf eine andere Körperstelle, von der man nicht weiß, ob dort nicht evtl. kleine Metastasen vorhanden sind und eine Streuung durch die Klangschwingungen ausgelöst werden kann, verursacht manchmal Unsicherheit beim Klanggebenden. Bisherige Erfahrungen konnten diese Bedenken nicht bestätigen. Neuere Studien zeigen, dass gesunde Zellen eine harmonische Schwingung aufweisen, wo hingegen Krebszellen einen dissonanten Klang haben (vgl. Volker Bolay, Musiktherapeut an der FH Heidelberg/Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung/Viktor Dulger Institut, Heidelberg). Andere Forschungen belegen, dass Tumorzellen, die mit Musik beschallt wurden, eine signifikante Wachstumshemmung aufweisen, im Gegensatz zur Kontrollgruppe, die ohne Musikstimulation war (vgl. Ärtzezeitung 11/2004). Die Musik- bzw. Klangtherapie beruhigt auch die Aktivität der Krebszellen in den Metastasen, dadurch wird die Streuung gehemmt. Außerdem werden die in den Lymphknoten befindlichen Immunzellen, die Krebszellen inaktivieren, gestärkt, die Immunlage im gesamten Körper wird durch Klangmassage erhöht.

Bei bestehenden Bedenken bietet die Möglichkeit einer Klangbehandlung des »Krebspatienten« ausschließlich in der Aura eine wirkungsvolle Alternative. Viele Patienten berichten, dass sie die berührungslose Behandlung in der Aura teilweise stärker spüren, als die Behandlung mit direktem Körperkontakt. Wie bereits beschrieben, leiden viele Patienten auch nach geglückter Operation unter Ängsten und Unsicherheit, ob sie wieder völlig gesund werden. Diese Faktoren schwächen das Immunsystem und vermindern die Heilkraft des Patienten und damit seine Chance auf völlige Genesung. Die entspannende, beruhigende und ausgleichende Wirkung der Klangmassage sollte daher möglichst früh nach einer Operation einsetzen. Hier gelten alle beschriebenen Vorgehensweisen zur Narben- und Schmerzbehandlung sowie zur Frühmobilisation.

Es gibt im Verlauf von Krebserkrankung und Diagnosestellung verschiedene Stadien psychischer Verfasstheit. In diesen Phasen wird der Patient oft von einem Psychologen betreut. Dieser kann in seiner Arbeit effektiv durch die Klangmassage unterstützt werden. Im Idealfall könnte der Psychologe die Methode selbst anwenden bzw. in seine Behandlung integrieren.

In der Auflehnungsphase gegen die Erkrankung kostet der sogenannte »Kampf gegen den Krebs« sehr viel Kraft. Die Krebskrankheit wird als bedrohlicher Feind erlebt. Mit Hilfe der Klangmassage ist es möglich, den Krebs als Begleiter während eines gewissen Lebensabschnittes zu akzeptieren und sich nicht mehr nur dagegen aufzulehnen. Jede Krankheit kann dem Patienten die Chance bieten, darüber nachzudenken, ob sein bisheriges Leben auf allen Ebenen wirklich gesundheitsfördernd verlaufen ist. Für viele Patienten ist die Krankheit der Auslöser, um ihr Leben in der Heilungsphase zu verändern und bewusster zu leben. Die Peter Hess-Klangmassage unterstützt hier das Loslassen alter Verhaltensmuster, die teilweise auch dazu beigetragen haben, dass die Krankheit ausbrechen konnte und hilft neue Lebensperspektiven zu entwickeln und gibt Kraft, diese umzusetzen.

Die Klangmassage ergänzt daher auf ideale Weise die psychotherapeutische Begleitung des »Krebspatienten«. Während der Chemotherapie- bzw. Bestrahlungsphase, die teilweise sehr stark an die Substanz des Patienten geht, hilft regelmäßige Klangmassage vor und nach den Behandlungszyklen die innere Stabilität zu stärken und aufrecht zu erhalten, sowie dabei die Angst vor den zum Teil sehr unangenehmen Folgen dieser Therapien zu minimieren. Die Diagnose »Krebs« stellt nicht nur den Betroffenen selbst, sondern auch seine Umgebung, seine Angehörigen, Freunde und Arbeitskollegen, plötzlich und unerwartet vor eine gänzlich neue, nicht überschaubare Lebenssituation. Für Menschen im nahen Umfeld ist es oft schwierig, mangels Erfahrung »normal« mit dem Erkrankten umzugehen. Nicht selten verspüren sie eine gewisse Angst und Unsicherheit im Kontakt mit dem Betroffenen. Auch Ehegatten bzw. Lebensgefährten haben Angst, gerade in dieser schwierigen Situation, körperliche Nähe zu schenken. Dieser oft entstehende Mangel an körperlicher Zuwendung, erzeugt in dem Patienten ein verstärktes Minderwertigkeitsgefühl und senkt die Lebensfreude, die gerade in diesen Phasen besonders wichtig wäre. Hier kann die Klangmassage in mehrerlei Hinsicht hilfreich sein: Zum einen erlebt der Patient die Zuwendung vom Klanggebenden, er spürt auch körperliches Wohlbefinden durch die Schwingungen der Klangschalen. Zum anderen kann es oft sehr hilfreich sein, die nähere Umgebung des Erkrankten mit einzubeziehen, dergestalt, dass man auch ihnen das unterstützende Angebot der Klangmassage macht oder eine gemeinsame Klang- Sitzung in Form eines »Klangbades« anbietet. Im gemeinsam erlebten Klangraum können Ängste und Unsicherheiten überwunden werden und wieder Nähe entstehen. Das gemeinsame Klangerlebnis bietet die Möglichkeit, etwas Schönes und Wohltuendes miteinander zu teilen – ein willkommener Kontrast zu dem sonst so belastenden Umgang mit der Krankheit. Es ist auch sinnvoll, in einer Klinik Klang-Meditations-Wohlfühl-Abende für Patienten und Angehörige evtl. auch für überlastetes Pflegepersonal anzubieten. Sie finden dabei Distanz zum Alltagsgeschehen und können neue Kraft schöpfen.

Dr. med. Herbert Seitz: Klangmassage zur Begleitung vor und nach chirurgischen Eingriffen, in: Hess/Koller (Hrsg.): Klangmethoden in der therapeutischen Praxis, Verlag Peter Hess, 2009, S. 65 ff.

 

 


Herbert SeitzDr. med. Herbert Seitz
ist Facharzt für Chirurgie. Schwerpunktmäßig arbeitet er auf den Gebieten der Unfall-, Allgemein- und Gefäßchirurgie, Orthopädie und physikalischen Medizin. Er ist ausgebildet in der Peter Hess-Klangmassage und integriert diese in sein schulmedizinisches Behandlungsspektrum. Er praktiziert in eigener Praxis in Kufstein/Österreich.

 

 

 

 

 

Partner des Peter Hess Instituts:

Klangmassage Fachverband
Original Peter Hess Qualitätsklangschalen
Literatur zur Klangmassage
Peter Hess Klangpädagogik
Das Peter Hess Zentrum in Schweringen